„Allein das Schauen seiner Herrlichkeit – und nichts Anderes – vermag Gottes Volk wahrhaft zu befriedigen.“

Was John Owen hier mit „schauen“ meint ist nicht der Anblick Gottes in der Ewigkeit, sondern das „Anschauen der Herrlichkeit Christi im Glauben.“ Es gibt nichts Wichtigeres für uns Christen, als Gott bereits jetzt in unserem Leben wirklich mit den Augen des Herzens zu sehen, sodass wir nicht aus reinem Kopfglauben, sondern aus echten Erfahrungen mit Gott leben. Nur der klare Blick auf Gott, wenn der Heilige Geist uns wirklich den Schleier von Herz und Augen entfernt, werden wir ergriffen und verwandelt in sein Bild (Kol 1,9; 2Kor 3,18). Dies geschieht nur in seinem Wort und im Gebet durch die Kraft seines Geistes. Weiter sagt Owen:

„Und nur, weil die Gläubigen lässig und unwissend geworden sind, erfahren sie diese Gnadenheimsuchungen und Augenblicke, in denen uns die ewige Herrlichkeit dämmert, nicht häufiger … Gib dich also nicht damit zufrieden, wenn deine Vorstellungen von der Liebe Christi zwar richtig sind, dein Herz davon aber unberührt bleibt. Du darfst auch schmecken, dass der Herr gütig ist, darfst seine Gnade ganz persönlich in deinem Herzen erfahren. Doch solange die Liebe Christi dein Herz kalt lässt, wird sie auch in deinem Verstand keine Bleibe finden. Christus ist das Fleisch, das Brot, die Speise, die Gott für deine Seele bereitet hat … Das ist das Geheimnis allen geistlichen Lebens und der Gnade.“

Mir persönlich passiert es hin und wieder, dass der Akt des Betens und Bibellesens mein eigentliches Ziel ist. Aber John Owens Worte erinnern mich daran, dass das Gebet und Gottes Wort nur ein Mittel zu dem eigentlichen höchsten Ziel ist, nämlich Gott zu erblicken und in diesem Anblick so ergriffen zu werden, dass man an keinen anderen Ort der Welt und für nichts Anderes leben will. Wie sagte Owen eben noch? „Das ist das Geheimnis allen geistlichen Lebens und der Gnade.“

Euer Peter Krell