“Und als Jesus von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie.” (Mt 4, 21)

Jesus hat die Arbeit im Gottes Reich mit der Arbeit der Fischer verglichen. Petrus galt die Aufforderung: „Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lk 5,10). Diese gilt allen Gotteskindern. Sie empfinden in der Tat einen inneren Drang, Menschen für Jesus zu gewinnen. Einige tun es mit ihrer ganzen Kraft und Zeit.

Aus der oben angeführten Bibelstelle versuchen wir ein paar Hinweise und Vergleiche für unser Leben und unseren Dienst zu entnehmen.
Nicht alle können Fischer werden. Ganz besondere Charaktermerkmale der Fischer sind ihre Sorgfalt und Geduld. Ohne diese Tugenden kann man kein erfolgreicher „Fischer“ werden.

Ein junger Christ wollte die Gründe seiner Erfolgslosigkeit im Bereich der Evangelisation erfahren und fragte seinen Pastor. Die Antwort, die er erhalten hat, hat ihn nachdenklich gestimmt: „Solange die Fische den Schatten des Fischers erkennen, kommen sie nicht näher. Erst wenn sie nichts mehr bemerken, schwimmen sie hinzu.“ Der junge Mann verstand den Hinweis, dass er seine Person etwas zurücknehmen soll und demütiger werden soll, um mehr Segen vom Herrn zu erfahren.

Aber nicht nur die Person des Fischers spielt beim Fischfang eine Rolle, sondern auch die Arbeitsgeräte, die man bei der Arbeit verwendet. Die Netze müssen brauchbar sein – geflickt und gewaschen (Lk 5,2).  Ein guter Menschenfischer weiß das. Er ist bemüht sich, sein Werkzeug in Ordnung zu halten. Das Flicken und Waschen der Netze war eine beständige Notwendigkeit. Warum? Weil im Laufe der Arbeit sie schmutzig wurden und Risse bekamen. Darum mussten die Fischer ihre Arbeit auf dem See unterbrechen, um ihre Werkzeuge in Ordnung zu bringen. In dem Augenblick, wo die Arbeit unterbrochen wurde, schwammen viele Fische im See vorbei. Trotzdem war diese Arbeit notwendig.

Die Zeiten der Stille, des Fastens und des Betens können auch uns sehr nützlich sein. Vielleicht haben sich auch bei uns „Schmutz und Risse“ angesammelt. Das Schlimme ist, wir merken diese Mängel vor lauter Betriebsamkeit nicht einmal. Genau diese Dinge lähmen uns, rauben uns Zeit und Freude und schaden unserer Arbeit.

Was würde man zu einem Fischer sagen, der sich für die Ausbesserung der Netze keine Zeit nimmt. Er arbeitet mit ungewaschen und schmutzigen Netzen voller Löcher. Da würde doch so manch einer mit dem Kopf schütteln. Ein Fischer mit solcher Einstellung wird keinen Erfolg haben. Er muss den Fischfang einstellen und sich Zeit für sein Gerät nehmen, um es in Ordnung zu bringen. Auch wenn in diesem Moment große Scharen von schönen und wertvollen Fischen an ihm vorbei schwimmen, muss er sich dafür Zeit nehmen, ansonsten wird sich seine Arbeit nicht lohnen.

Beim „Menschenfischen“ ist es nicht anders. Die Arbeit im Reich Gottes ist viel sensibler und feiner, denn wir haben es mit Menschen zu tun. Wenn man Menschen für das Reich Gottes gewinnen möchte, dann muss man auf Zeiten, Umstände und das Wort des Meisters achten. Aber auch der „Menschenfischer“ selbst spielt eine Schlüsselrolle. Ein Mitarbeiter aus dem Reich Gottes darf nicht auf den Ruhm von anderen Menschen bedacht sein. Er muss sorgfältig aufpassen – wie er redet, was er redet, wie er sich verhält. Er darf nicht zum Heuchler werden (Mt 6,1-2).

Er beschränkt sich nicht auf die Arbeit mit anderen. Einen großen Teil seiner Zeit verbringt er mit der Arbeit an der eigenen Seele. Er fragt sich ständig: Mit welcher Einstellung begegne ich den Mitmenschen? Nutze ich meine überragende Stellung „als Fischer“ aus, um andere in den Schatten meiner Person zu stellen? Er reflektiert über die kleinen und die großen Fehltritte seines Lebens, über die Selbstgefälligkeiten, Stolz und Hochmut. Genau diese Dinge behindern unsere Arbeit als „Menschenfischer“.

Wenn wir den Auftrag unseres Herrn mit gewaschenen (1Joh 1,8f) und ausgebesserten Netzen (1Petr 5,5) annehmen und „zum Fang“ gehen, dann werden wir mit Sicherheit einen großen geistlichen Erfolg haben. Vielleicht sogar mit weniger Kraftaufwand dazu. Menschen werden selbst in die Netze gehen, wenn sie merken, sie werden geliebt, angenommen und geachtet.

Hier zwei Bibelstellen, die das oben Gesagte noch etwas bekräftigen:

“Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, …” (Phil. 2,3)
“Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” (Joh 13, 35)