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Eine Sehnsucht, die immer bleibt

Jeder Mensch sehnt sich zu lieben und geliebt zu werden. Diese Sehnsucht ist tief in unseren Herzen verankert, dass wir sie nicht entfernen können. Die Liebe hat nicht nur zu tiefen menschlichen Freundschaften und zu gelingenden Ehen geführt, sondern auch wunderbare Kunstwerke in Dichtung, Musik und Malerei hervorgebracht. Ohne die Liebe wäre das Leben wesentlich ärmer.
Natürlich machen wir auch die Erfahrung, dass uns die Liebe zwischen den Fingern zerrinnen kann und dass wir nirgendwo so tief verletzt werden, wie gerade in der Liebe. Aber all das spricht nicht gegen die Liebe. Wenn wir nach der Liebe fragen, geht es noch um die Frage, wie sie auf Dauer gelingen kann. Dass sie nicht in Chaos und Verletzung endet.
Damit die Liebe auf Dauer gelingt, darf ich sie nicht mit dem Gefühl verwechseln. Liebe ist nicht ewiges Verliebt sein. Das Verliebt sein muss sich zu einer Liebe verwandeln, die den anderen so annimmt, wie er ist. Oft stülpen wir dem andern unsere eigenen Bilder und Wünsche über. Letztendlich lieben dann mehr das Bild, das wir uns vom andern gemacht haben, als ihn so, wie er in Wirklichkeit ist.


Den andern so zu lieben, wie er ist, das ist nicht leicht. Es verlangt, Abschied zu nehmen von allen Illusionen, die ich mir über den Menschen gemacht habe. Und es verlangt auch Abschied zu nehmen von der Illusion, dass Liebe immer ein wunderbares Gefühl ist. Oft ist sie einfach Treue zum andern. Das ist mehr als ihn nur zu ertragen. Sie bedeutet: „Ja“ zu sagen zu ihm in seiner Durchschnittlichkeit und Banalität. Und Liebe ist auch nicht dauerndes Glück. Es gibt keine Liebe ohne Schmerz.
In der Liebe öffne ich mich dem andern und werde dadurch verletzlich. Ohne diese Offenheit wäre Liebe nicht möglich. In der Liebe zueinander lernen wir uns mit all den Verletzungen kennen, die wir im Leben erfahren haben. Liebe kann verletzen. Und Liebe vermag diese Verletzungen auch zu heilen.
Aber wenn die Liebe die Verletzung in uns aufdeckt, meinen wir nicht selten, der andere würde uns verletzen. Und wir zahlen es ihm heim, indem wir ihn auch kränken. So entsteht ein Teufelskreis der gegenseitigen Verletzungen, der die Liebe nicht vertiefen, sondern zerstören wird.

Wer sich auf den Weg der Liebe einlässt, muss wissen, dass es ein Weg in die Wahrheit ist, auf dem ich meine eigene Wahrheit entdecke und die des ändern. Die Erkenntnis der Wahrheit ist das wirklich Schmerzliche. Aber die Liebe ist auch die Chance, diese Verletzung zu heilen. Wenn ich mich selbst mit meinen Wunden annehme und den andern wegen seiner Verwundungen nicht verurteile, sondern ihn gerade so liebe, wie er ist, dann vermag die Liebe meine und seine Wunden zu heilen. 

„Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören“. 1Kor 13,8-10

Viktor Krell

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